Was steckt im Drohnenmarkt?

Shutterstock

Kommerzielle Drohnenanwendungen etablieren sich langsam am Markt. Welche Branchen sind besonders interessant und welches wirtschaftliche Potenzial haben Drohnen dort? Ein Überblick.

Unter den Einsatzbereichen für Drohnen gehört die Landwirtschaft bereits seit Jahren zu den wichtigsten und etabliertesten. Ob zur Analyse von Feldern und Boden, zur Überwachung von Pflanzengesundheit und Bewässerung oder zur zielgenauen Düngung – die Anwendungsmöglichkeiten in der Landwirtschaft sind vielfältig. Ein neuer Forschungsbericht von Meticulous Research geht davon aus, dass dieses Marktsegment bis 2025 um etwa 31 Prozent auf mehr als 5 Milliarden Dollar wachsen könnte. Vor allem neue und verbesserte Technologien wie bspw. Sensoren, verbesserte Hardware oder KI-gesteuerte Verarbeitung steigern das Potenzial der Fluggeräte in der Landwirtschaft. Das Wachstum speist sich laut der Studie vor allem aus der Notwendigkeit, dass Landwirtschaft im Hinblick auf Umweltaspekte (Wassereinsparung, Grundwasserschutz) und bei wachsender Weltbevölkerung effizienter werden muss. Die Vorteile der Drohnen überwiegen demnach künftig die regulatorischen und technologischen Einschränkungen.

Ein Querschnittsthema über alle Branchen hinweg und ebenfalls seit einigen Jahren bereits ein etablierter Aufgabenbereich für Drohnen sind Vermessung und Mapping. Auch hier sorgt die fortlaufende technologische Weiterentwicklung von Sensor- und Kameratechnik sowie von entsprechenden Analyse- und Verarbeitungstools für steigendes Interesse. Schon die „Analyse des deutschen Drohnenmarkts“, die der Verband Unbemannte Luftfahrt im vergangenen Jahr veröffentlicht hat, sieht diese Anwendung an der Spitze des Markts, da Drohnen hier besonders produktiv und kostengünstig im Vergleich zu anderen Vermessungsmethoden sind.

Unter Inspektion fallen verschiedenste Wartungs- und Serviceaufgaben, die von Drohnen übernommen werden können. Zu den gängigsten gehören die Wartung von Windrädern, Strom-, Gas- und Bahntrassen. Möglich sind weiterhin das Inspizieren von großen Maschinen, Anlagen oder Baustellen, von Gebäuden allgemein, aber auch Produktions- und Lagerhallen (bspw. zum Auffinden von Thermolecks o.ä.). Hier kommen nicht nur reine Drohnen-Dienstleister zum Zug, sondern auch zunehmend Unternehmen selbst, die solche Services mit Drohnen ihren Kunden anbieten. Trotz zunehmender Anwenderfreundlichkeit wird eine Skalierung des Markts hier aktuell von der komplexen Vorschriftenthematik ausgebremst.

Drohnen kommen auch als Luftunterstützung für Sicherheitsaufgaben zum Einsatz. Wenn ein Betriebs- oder Firmengelände einen unerlaubten Zutritt registriert, können Drohnen schnell die Aufklärung aus der Luft übernehmen, bis das Sicherheitspersonal vor Ort ist. In den Bereich Security fällt natürlich auch die Drohnenabwehr, mit der sich Firmen und Institutionen vor unerlaubter Beobachtung aus der Luft schützen. Aufgrund der sensiblen Aufgabe sowie entsprechender Vorschriftslage ist, gehört dieser Bereich wohl zu den wichtigsten und gleichzeitig zu den komplexesten Anwendungsfeldern.

Im Logistikbereich gibt es aktuell zwei wesentliche Anwendungsmöglichkeiten für Drohnen. Das ist zum einen die Bestands- und Datenerfassung und zum anderen der Transport von kleinen und eiligen Gütern mittels Drohnen. Eine Drohneninventur eignet sich für alle Lagerformate, in denen seitlich und im Überflug der Bestand erfasst werden kann, also bspw. im Hochregallager oder bei Flächenlagerung von Gütern im Außenbereich.

 

Der Bereich Lieferdrohne ist in der öffentlichen Wahrnehmung stark durch das Bild der Drohne, die an den Endkunden liefert, geprägt. Dies ist zweifelsfrei eine Transportaufgabe für Drohnen, jedoch nicht die einzige. Regelmäßige Transporte zwischen festgelegten Start- und Landepunkten gehören aus aktueller Sicht zu den aussichtsreichen Anwendungsszenarien. Das zeigen bspw. Projekte, bei denen Laborproben, Ersatzteile oder eilige Kleinteile innerhalb von großen Betriebsgeländen oder von Krankenhaus zu Krankenhaus mit Drohnen transportiert werden. Eine Analyse von Gartner geht von einem deutlichen Wachstum von Lieferdrohnen in den kommenden Jahren aus: bis 2026 sollen es eine Million sein, was einem Wachstum von 5.000% entspricht, ausgehend von etwa 20.000 Lieferdrohnen, die heute zur Verfügung stehen. Neben der Limitierung von Traglasten wird auch dieses Anwendungsfeld massiv von der Gesetzeslage und den Vorschriften gebremst. Diesen Aspekt betont auch die Gartner-Analyse.

Dieser Bereich ist für Drohnenanwendungen eine Art „Türöffner“, weil er in der öffentlichen Wahrnehmung die größte Akzeptanz erzeugt. Bereits heute nutzen Feuerwehren und Rettungsdienste Drohnen für unterschiedliche Aufgaben, wie bspw. zur Analyse der Brand- oder Unfallsituation oder zur Suche von vermissten Personen. Künftig könnten Drohnen selbst zum Rettungsmittel werden, wenn sie benötigtes Rettungsmaterial oder vielleicht auch Rettungspersonal zum Unglücksort fliegen.

Fazit

Unabhängig vom Anwendungsfall sind harmonisierte Regelungen und Vorschriften auf nationaler und internationaler Ebene der Dreh- und Angelpunkt, um eine Skalierung des Markts zu ermöglichen. Die Durchführungsverordnung 2019/947 wurde von der Europäischen Kommission gerade erst auf den 31. Dezember 2020 verschoben.

Abseits der Gesetzgebung gibt es natürlich auch technologische Hemmnisse und gesellschaftliche Vorbehalte, die einer Marktreife verschiedener Drohnenanwendungen noch im Wege stehen.